Among the 42nd Annual Grammy Award winners presented in Los Angeles were:
Los Angeles - Latin-Rock-Veteran Carlos Santana ist der große Gewinner bei der Grammy-Verleihung in Los Angeles. Seine Platte "Supernatural" gewann insgesamt neun der begehrtesten Musikpreise der Welt. Santana übertrumpfte damit sogar Michael Jackson, der 1983 für sein Album "Thriller" acht Grammys abgeräumt hatte. Der Münchner Lou Bega ("Mambo No. 5") fiel dagegen erwartungsgemäß durch.
Im Tagesspiegel am 6. Januar 2000, schreibt Andreas Oswald :
Wer einen New Yorker Radio- oder Fernsehsender anstellt, hört
unentwegt das Lied "I need to Know". Der junge Salsa-Star
Marc Anthony hat nach den Salsa-Tanztempeln auch den Mainstream
erobert. Er schaffte das, in dem er seine Songs ein wenig
verpoppte und statt spanisch amerikanisch sang. Er gibt damit ein
Lebensgefühl vieler junger New Yorker wieder, die sich
einerseits als Latinos fühlen, sich andererseits von der
Herkunft ihrer Eltern distanzieren und sich als Manhattanites
verstehen, die sich im Mittelpunkt der Welt wähnen.
Auf der anderen Seite lieben viele Nichtlatinos die heißen
Rhythmen, sie wollen auf der großen Latin-Welle mitschwimmen und
wenn Marc Anthony sein Liebesgeflüster auch noch in ihrer
Sprache ins Mikrofon haucht, liegen ihm fast alle Frauen zu Füßen.
Nicht nur in New York und anderen US-Städten. Auch deutsche Radiosender spielen seine Lieder inzwischen unentwegt. Die große Salsawelle hat auch Europa erfasst.
Der große Siegeszug der Latin-Musiker ist nicht aufzuhalten. Marc Anthony wurde am Dienstag für einen Grammy nominiert, der begehrtesten amerikanischen Musiktrophäe, die am 23. Februar in Los Angeles vergeben werden soll. Bei den Nominierungen in der Kategorie "Beste männliche Pop-Aufführung" stellte er Platz eins.
Der Siegeszug macht sich in den Grammy-Nominierungen auffällig bemerkbar. Die Latin-Musiker füllen eine Lücke in der Pop-Welt. Diese hatte in letzter Zeit wenig Neues und wenig Aufregendes zu bieten, der Latin-Musik oder zumindest latin-beeinflussten Musik steht nichts im Wege.
Davon zeugt nicht nur die erwartete mehrfache Nominierung von Ricky Martin. Eine große Überraschung war auch die Nominierung des Müncheners Lou Bega mit seinem Latin-Ohrwurm "Mambo No. 5". In der Kategorie beste männliche Pop-Aufführung steht er auf Rang zwei direkt hinter Marc Anthony und vor Andrea Bocelli, Ricky Martin und Sting. In den USA war der Super-Hit von Lou Bega, der in München als Sohn eines Nigerianers und einer Sizilianerin aufwuchs, erst Wochen nach dem Start der Platte in Deutschland ein großer Erfolg geworden. Mit dem Song des kubanischen Mambo-Königs Perez Prado hatte Bega von Anfang an alle fünf Kontinente erobern wollen - daher der Zusatz No.5. Bei der Entscheidung über die Vergabe der Preise am 23. Februar spielt allerdings die durch Abstimmung unter rund 10 000 Mitgliedern der Academy of Recording Arts ermittelte Reihenfolge der nominierten Anwärter keine Rolle mehr. Dann gibt es in jeder Kategorie einen Sieger, der unter den fünf Nominierten ausgewählt wird.
Der größte Favorit bei den Grammys ist der alte Latin-Rocker Carlos Santana. Mit Nominierungen in zehn Kategorien hat er alle anderen aus dem Feld geschlagen. "Geradezu übernatürlich", kommentierte ein TV-Reporter aus dem Beverly Hilton Hotel von Los Angeles unter Anspielung auf den Titel des neuen Santana-Albums. Mit "Supernatural" hatten der Mexikaner und seine Band 1999 ein glanzvolles Comeback geschafft, für das sie nun mit Grammy-Würden rechnen dürfen.
Allein in den USA verkaufte sich die Scheibe bisher 4,6 Millionen Mal - obwohl oder vielleicht gerade weil sie mit keinem Stück derzeitigen Markttrends folgt. Santana selbst beeindruckte der Nominierungsregen Presseberichten zufolge kaum. "Auszeichnungen waren für mich, wenn große Musiker zu Hause angerufen haben - wie zum Beispiel Herbie Hancock. Wenn solche Leute anrufen, das sind meine Grammys", sagte er. Ein wenig ist der 52-Jährige wohl immer noch sauer, dass in drei Jahrzehnten seiner Laufbahn bisher nur fünf Nominierungen und eine tatsächliche Grammy-Verleihung in einer Nebenkategorie drin waren (bestes Instrumentalstück 1988).
Ulrichs Kommentar: Schade, die wahren Latin-Künstler gehen mal wieder leer aus. Wer für den Grammy nominiert wird, vertritt den Kommerz und steht wohl für das, was die Amerikaner für Latino-Musik halten. Latin-Musik weichgespült und durch die Geldmaschine gedreht.